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Johannes Baath / Foto um 1862
Bildnis eines Jungen auf einer Säule sitzend, mit einem Spielzeugpferd in der Hand und einem finsteren Blick in die Kamera.

"Johannes Baath"

Atelieraufnahme,...
Kleinkinderporträts
„Hänschen, sei mir nicht so wild, Sitz fein still und gerade, sonst mißräth uns ja das Bild, und das wär' doch schade.“[1]

Mit Zimmerfeuerwerk, Spieluhr oder Hampelmännern wurde um ihre Aufmerksamkeit gekämpft. Ein Einzelporträt eines Kindes anzufertigen galt im 19. Jahrhundert als besondere Herausforderung. Die Schwierigkeit lag in der langen Belichtungszeit und der Kunst eben genau in diesem Moment einen ganz natürlichen und positiven Ausdruck im Gesicht des Kindes einzufangen. Einige Fotografen verlangten für solch eine Aufnahme sogar den doppelten Preis eines herkömmlichen Porträts.
Die meist im Vorhinein durch die Eltern schon eingeschüchterten, nervösen und skeptischen Kinder wurden, sollten sie nicht stillhalten wollen, in entsprechende Kinderstühle des Ateliermobiliars gesetzt. Diese waren mit zwei Öffnungen an der Lehne versehen, durch die die Eltern oder ein Kindermädchen das Kind in der gewünschten Position halten konnte. War ein solches Exemplar nicht vorhanden, wurden die Kinder mitunter auch direkt am Stuhl festgebunden. In einigen Fotografien ist auch die das Kind stützende Frau, hinter einem Vorhang, mit einem Tuch bedeckt (“hidden mothers”[2]) oder durch den gewählten Bildausschnitt nur teilweise zu sehen.

Von Kindergruppen- und Genrebildern mit vielen Umzügen wird in fotografischen Ratgebern und Magazinen der Zeit strengstens abgeraten, vor allem, da nach einem missglückten Versuch ein gutes Einzelbild erst recht nicht mehr zu Stande kommt. War es trotz aller Bemühungen nicht möglich ein gutes Bild einzufangen, wurde collagiert, wodurch teilweise die Proportionen nicht mehr stimmten oder die Bilder ungleich verblassten.

Fußnoten:
[1] Ein “Hänschen” beim Photographen. Gedicht aus der Familienzeitschrift Atelier Otto Wiegand, Nordhausen, späte 70er Jahre. Zitiert nach: Ellen Maas, Das Photoalbum 1858-1918. Eine Dokumentaion zur Kultur- und Sozialgeschichte. Karl M. Lipp München, Münchner Stadtmuseum, 1975.
[2] Der Skurilität dieser “hidden mothers” hat Linda Fregni Nagler ein ganzes Buch gewidmet. Ihre Sammlung war 2013 auf der 55. Biennale in Venedig zusehen.


Zum Blogpost: Kinderporträts
Berlin, Sammlung Archiv für Kunst und Geschichte.
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